Sonntag, 14. Juni 2009
9:00 Uhr trafen die Ladies in red in Nordbögge ein, dort wurden letzte Verschönerungen in Make up und Haarstyling vorgenommen. Zur gleichen Zeit befand ich mich bereits mit Klaus in Holzwickede, um im Schlossgarten unser Picknickzelt aufzubauen. Das „Haus Opherdicke“ ist ein Wasserschloss auf Bergeshöhe mit Blick ins Tal der Ruhr. Es war früher eine Wasserburg und wurde im Jahre 1176 erstmals erwähnt.

   

Den Frühstücksaufbau überlasse ich immer Klaus, er hat dafür das bessere Talent. Natürlich habe ich ihn, wie sich das unter Männern gehört, mit diesen Fähigkeiten aufgezogen …..
In der Zwischenzeit verfasste ich einen zeitlichen Reihenfolgeplan der Sets und der dazu passenden Modelle. Laut Wetterbericht stand zum Nachmittag Regen an, deshalb die Außenaufnahmen zuerst.

                                       Klaus

 
 

 

 

Circa 10:00 Uhr waren wir mit unseren Vorbereitungen fertig und zehn Minuten später trafen die 16 Models in ihren schönen roten Abendkleidern im Innenhof des Wasserschlosses ein. 

Beim Sektempfang präsentierten mir einige Damen stolz ihre neuesten Errungenschaften im Bereich Schuhe, scheinbar hatte sich das Schuhfieber vom letzten Mal weiter ausgebreitet.
Dieses Projekt fühlt sich an wie eine Party und dies schon am frühen Morgen, man könnte es auch Lebenslust nennen.

 

     

  

   

Vor dem Frühstück machte ich mit unserem jüngsten Model Zoe
(5 Jahre) die ersten Aufnahmen.
Das 1,4/50mm Objektiv eignete sich für diesen Bildaufbau am besten. Ich muss sagen, in der Kleinen steckt schon eine richtige Lady.

 

125° Sonnenwinkel. Nun wurde es Zeit für das Brückenbild „Bewußt – Sein“. Ich ging zum Basislager (Picknickzelt) und wählte für dieses Bild Tanja. In exakt 22 Minuten befand sich die Sonne im idealen Winkel. Für dieses Bild stellte ich mir eine warme Abendszene vor. Die Strahlen der untergehenden Abendsonne reflektieren auf den kleinen Wellen des Wassers im Schlossgraben, werden dort gespiegelt, umspielen das Model und das massive, behauene Brückengeländer und treffen dann auf das 18/35 4,0 Objektiv meiner Kamera.  

 

     

Situation:
Sie hat für ein paar Minuten den Ballsaal verlassen. Sie legt ihre Hände auf die breite, steinerne Brüstung und spürt die warme Abendluft, die über ihre nackten Schultern streift. Hier hat sie den Lebensraum, um einfach nur zu sein.

                                                     Tanja 

Um die Abendstimmung und die Wärme auf die Haut zu bringen, setzte ich zwei Goldaufheller ein, die den Schattenwurf durch das Gegenlicht neutralisieren sollten. Um das Model mehr in der Szene hervorzuheben, worum es hauptsächlich geht, bringt Klaus mit dem zweiten Aufheller im Bereich Gesicht und Dekolletee die doppelte Lichtintensität, welches das Model um eine halbe Blende heller erscheinen lässt. 

 

   

Er muss darauf achten, dass sein reflektierendes Licht nicht unterhalb der Brüstung scheint, um die Schatten der Balustraden nicht aufzuheben.
In einer echten Abendszene wäre der technische Aufwand sicherlich wesentlich geringer gewesen, aber wenn hier an dieser Brücke Abend wird, reflektiert hier gar nichts mehr, denn die Sonne würde eindeutig zu flach stehen und den tiefen Schlossgraben nicht mehr erreichen.

 

 

Nun nahm ich mir vor, ein paar Bilder von Nadja zu machen, um ihre Persönlichkeit und Ausstrahlung vor der Kamera kennenzulernen und um herauszufinden, welches Gefühl sie vor der Kamera rüberbringt, da sie erst nach dem Casting zu uns kam.

Wenn ich eine Szene plane, kann ich mir schon vorstellen, welches Model ich dafür einsetzen werde. Ich bin sehr zufrieden mit Nadja. Sie kommt gut aus sich heraus. Auch für sie werde ich eine passende Szene finden.

   

                                                                                                                           Nadja

    Der Weg zum Schlosspark, welcher in Form eines englichen Gartens angelegt wurde, ist Connys Szene. Die Sonnenstrahlen schimmern durch die großen Buchenbäume und werfen ihre Flecken auf den Boden. Einer dieser Sonnenflecken sollte Connys Körper berühren, denn es sollte eine verträumte, warme Szene werden. Ich entschied mich für das 1,4/50mm Objektiv.

                                                    Conny

Laut Sonnenstandswinkel war nun der ideale Zeitpunkt gekommen für die Szene an dem gemauerten Torbogen, der vom Schlosshof zur Kirche führt. Dies sollte eine sinnliche Szene werden, die mehr in die Tiefe geht. Sinnlich ist für mich das Gegenteil von oberflächlich (Posen). Hierbei gehen die Gefühle in die Tiefe. Das Model wird eins mit ihrem Geist und ihrem Körper. Das ist keine leichte Sache für das Model. Hierfür hatte ich mir Melanie vorgestellt.
Zusätzlich hatte ich den Anspruch, das Model mit dem 200 Jahre alten Gemäuer und der grellen Sonne verschmelzen zu lassen. Dummerweise hatte sich der Himmel in der Zwischenzeit mit vielen Wolken angereichert. So bekamen Melanie und ich jeder unsere Herausforderung.
Das 2,8/300 konnte ich wegen dem diffusen Licht getrost vergessen, daher fing ich erst mal mit dem Weitwinkelobjektiv an. Irgendwie musste ich es schaffen, aus dem diffusen Licht einen Kontrast herauszuzaubern. Um Melanie nicht mit meinen technischen Problemen zu belasten und sie in ihre Stimmung zu bringen, erzählte ich ihr erst mal eine Geschichte.

Ich sagte zu ihr, dass diese Mauer schon ca. 200 Jahre hier steht und dass vor dieser Zeit noch lange nicht an uns zu denken war. Dass es im Laufe dieser 200 Jahre auch eine Hausdame gegeben hat, die hier eines Sonntags von der Kirche zu ihrem Schloss zurück ging.    

Auch heute ist Sonntag. Logischerweise musste sie hier an diesen Treppenstufen in ihr Kleid gegriffen haben, um nicht in dessen Saum zu treten. Hierbei nahm sie sich und ihr Kleid wahr. Da sie Personal hatte, welches sich um die Arbeit kümmerte, hatte sie mehr als genug Zeit, sich ihren Gefühlen und ihrer Weiblichkeit zu widmen. Diese Dame lebt seit einer Ewigkeit schon nicht mehr. Dieses Gemäuer ist der einzige Zeuge der damaligen Zeit.
„Nun Melanie wollen auch wir ein Gefühl unseres Lebens hier verewigen, denn ich denke, dass dieses Gemäuer auch uns überleben wird.“

 

    Melanie begann mit ihrer Aufgabe. Es gibt immer optische Dinge an einem Model, worauf ich mich sensibilisiere und was ich dann auf dem Bild zeigen möchte. Bei Melanie sind es ihre Wangenknochen und ihre Augen. Wir arbeiteten wie ein Team zusammen, obwohl sie die Anweisung bekam, mich nicht mehr zu beachten, dass ich gar nicht da wäre, dass nur sie und ihr Körper existierten, ich aber dennoch mit ihr sprach. Ich fühlte, dass wir uns zu unserem Ziel entwickelten, nur das Licht entwickelte sich überhaupt nicht.

                                                    Melanie

     

Ich setzte alles auf eine Karte und ging ich auf das lichtempfindliche 1,4/50 und gab dem Fotochip mehr Licht als ihm lieb war (Überbelichtung). Der Hintergrund fing an zu verschmelzen. Um Melanies Gesicht wieder eine halbe Blende herunter zu bekommen positionierte ich ihr Gesicht unter die Wölbung des Torbogens. Der geringe Schatten unter dem schmalen Torbogen (sofern man bei diffusem Licht von Schatten sprechen kann, denn wir befanden uns bereits im Schatten) reichte doch tatsächlich aus.

Melanie machte ihre Sache sehr gut und mein Hintergrund zeigte endlich Sonnenlicht, wo gar keins war. Alles verschmolz miteinander, der Hintergrund, das Gemäuer und Melanie. Es war alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich war mehr als glücklich.

 

Im Eingangsbereich des Wasserschlosses befindet sich ein großer Wandspiegel, dessen Rahmen aus gedrechseltem, dunklen Holz gearbeitet ist. Er erinnert mich an einen Türrahmen, aber das ist eine andere Geschichte. Bei dieser Szene vor dem Spiegel stellte ich mir eine Frau vor, welche sich im Spiegel betrachtet. 

     

Mein Model hierfür sollte Sabine sein. Ich weiß nicht, ob dieser Spiegel schon mal zerschlagen wurde, Sabine hat jedenfalls keinen Grund, wenn sie den Spiegel fragen würde: „Sieglein, Spieglein an der Wand…….“

Sabine und ich haben schon mal zusammen gearbeitet. Hierfür brachte ich die Musik-CD mit, die wir damals benutzten. Ich legte sie ein, drückte auf <Play> und schon gings los.
Zusätzlich wurde Sabine von zwei Studioblitzen mit Reflektorschirmen begleitet.

                                                     Sabine 

Der Spiegel ist im Leben einer schönen Frau, die ihre Weiblichkeit und Schönheit lebt, eine wichtige Sache. Bevor sie das Haus verlässt, braucht sie, wie ich es bezeichne, das „SpiegelOkay“. Das kann auch schon mal länger dauern. Wer hat noch nicht die Erfahrung gemacht, wenn wir Männer uns schon an der Ausgangstür befinden und wissen, dass wir für die Party spät dran sind und sie den Schrank durchwühlt und behauptet, sie hätte nichts anzuziehen. Für uns Männer unverständlich, wo der Kleiderschrank schon aus allen Nähten platzt.
Wenn nun der ungeduldige Ehemann noch drängelt, bekommt sie noch mehr Druck (Anspannung) und dann geht gar nichts mehr. In solchen Situationen gerät der Spiegel in Gefahr ….. 😉

Für das „SpiegelOkay“ ist es wichtig, ein paar Rahmenbedingungen zu erfüllen. Das sind Entspannung ( = Zeit ), Trennung zwischen Geist und Körper, damit schafft man sich ein neutrales Auge, Aufbau der eigenen Körperliebe usw.. Hat sie das Spiegelritual richtig ausgeführt, kann sie das, was sie im Spiegel sieht, genießen, daurch bekommt sie die Ausstrahlung, die sie erst zu einer schönen Frau macht. Nun kann sie das Haus verlassen und wird zusätzlich positive Rückmeldungen von ihren Mitmenschen bekommen.

 

    Jeder der Sabine kennt, kennt auch ihr wunderschönes Lächeln.
Dieses Foto zeigt eine Frau mit Ausstrahlung.

 

 

Nadja und Susanna, unsere beiden jüngsten (außer Zoe natürlich) haben sich schon angefreundet. Ich lies die beiden sich auf ein Sofa im Südflügel setzen und machte ein paar Schnappschüsse. Hierbei sehe ich schon in der Zukunft ein Foto, wo zwei Freundinnen (ich meine ‚beste’ Freundinnen) gemeinsam auf dem Bett im Zimmer der Freundin sitzen, die aktuellen Hits ihrer Zeit hören, Klamotten im Kopf haben und sich ihre Geheimnisse anvertrauen, die Jungens nichts angehen – eben beste Freundin. Nur werde ich als Kulisse eine Schlossräumlichkeit wählen, die mir noch nicht bekannt ist.    

 

   

 

                         Zur Erinnerung an Haus Opherdicke noch ein Gruppenbild.

 

     

Ich bedanke mich auch für die Fanpost zu diesem Projekt und für die mir darin anvertrauten Gefühle. 

 

   

Wie immer auf der Suche nach alten Gemäuern, hier in
15 m Tiefe an der Klostermauer des versunkenen Dorfes Berich.

 

                                                       Mario

Wie geht es weiter? Zunächst gibt es eine kleine Sommerpause. In dieser Zeit werde ich mich mit Klaus der Unterwasserwelt widmen. Wenn die Ferien zu Ende sind werde ich mich für die nächste Location entschieden haben und dann geht es weiter mit den Ladies in red.

 


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